Mein Paradigmenwechsel

Glaubst du an Gott? Ist für dich Jesus Gottes Sohn? Ist er wiederauferstanden? Glaubst du, was in der Bibel steht? Würdest du dich als Christ bezeichnen? Betest du?

Ich vermute, wenn dieser Text nur für diejenigen geschrieben wäre, die obige Fragen mit Ja beantworten können, dann hätte ich jetzt nur noch wenige Leser.

Die Kirchen verlieren in Deutschland immer mehr an Attraktivität und das wohl zu Recht. Und letztendlich geht damit parallel, dass auch immer weniger Wert darauf legen Christ zu sein. Ist das für dich überhaupt ein relevantes Thema?

Meine Mutter hat mir einen liebevollen, christlichen Gott nahegebracht. Sie hat mir wenig religiöses Wissen vermittelt, aber sie hat mit mir gebetet und ich wusste, dass sie an Gott glaubt. Sie sagte „Man trägt den Glauben nicht auf den Lippen“. Sie regte mich auch nicht an, mich mit der Bibel zu beschäftigen. Ich erinnere mich nur, dass sie mich in der schwersten Zeit meines Lebens in den 90er Jahren fragte, ob ich nicht einmal die Geschichte von Hiob lesen wolle, was ich natürlich nicht tat. Meine Mutter lebte mir den Glauben vor. Sie war eine liebevolle, fürsorgliche, um andere Menschen sehr bemühte Frau. Sie hatte nicht wenige Kämpfe mit sich selbst auszutragen und die Ehe mit meinem Vater war nur anfänglich glücklich. Sie engagierte sich bei uns in der Gemeinde und ich hatte immer das Gefühl, dass sie damit etwas Gutes tat. Sie ging nicht regelmäßig zur Kirche, aber ich vermute deswegen, weil sie sonntags aufwändig für uns kochte. Ich selbst bin bis heute kein Kirchgänger. Aber ich glaube bereits mein ganzes Leben an Gott. Es ist ein christlich geprägter Gott, auch wenn ich lange der Meinung war, es gibt nur einen Gott, an den sich alle gläubigen Menschen wenden. Das heißt, eigentlich kenne ich nur den christlichen.

Außer der Sicherheit, dass es Gott gibt, hatte ich in meinem Leben wenig spirituelle Orientierung. Eine gewisse Zeit hatte ich jenes Gottesbild, das dann vom nächsten abgelöst wurde. Ich las nicht in der Bibel und was ich von der Bibel mitbekam, wusste ich von anderen. Obwohl ich immer schon auch an das nicht Beweisbare glaubte, zweifelte ich am Wahrheitsgehalt der Bibel. Sind die Wunder, die Jesus getan hat, wirklich so passiert? Hat Jesus wirklich den Tod überwunden? Ist die Bibel nicht nur eine Ansammlung von Mythen und Legenden? Gab es wirklich Adam und Eva? Hat Gott die Welt wirklich so geschaffen, wie es in der Bibel steht? Kann man es sich heutzutage wirklich erlauben, die Bibel als wahr zu betrachten? In meinem Umfeld kannte ich niemand, der oder die das tat oder es hat niemand zugegeben.

So lebte ich also mit meiner selbst gebastelten Spiritualität und hatte nur selten jemand mit dem ich meine Art des Glaubens teilen konnte. Ich war zu bequem oder zu ängstlich mir eine Gemeinde zu suchen. In jüngeren Jahren fanden sich immer wieder Gelegenheiten, sich über Spiritualität zu unterhalten, aber je älter ich wurde, desto mehr wurde es zum Tabuthema und auch ich suchte nicht mehr den Austausch über Religion und Gott. Kurzzeitig gründete ich eine Glaubensgruppe mit einem Teil der Mitglieder unserer Selbsthilfegruppe, die sich aber nach 2 Jahren wieder auflöste.

Uns jetzt, während des Monatswechsel August-September 2022 änderte sich alles. Ich ging 3 Nächte ins Kloster Lichtental in Baden-Baden. Ich hatte gar keine großen Erwartungen mich mit Glaubensfragen zu beschäftigen, sondern suchte nur einen anderen Ort an dem ich zur Ruhe und zum Nachdenken kommen kann und wo ich vom Essen her gut versorgt bin. Aber scheinbar konnte ich mich der Atmosphäre des Klosters nicht verschließen oder es war ein so bestimmt, was kommen sollte. 

Je länger ich im Kloster war, desto mehr beschäftige ich mich also mit meinem Glauben. Vor allem, dass ich im Klosterladen zwei bedeutsame Bücher fand, sollte ungeahnte Folgen haben. Das eine Buch las ich noch im Kloster innerhalb von 2 Tagen durch und das andere sollte mich zuhause noch sehr beschäftigen. Das erste Buch behandelt das Thema: Was bedeutet es Christ zu sein, wie kann man es werden und bleiben? Das Andere rief zur radikalen Nachfolge Jesu auf. Die Art, wie Rainer Harter dies dem Leser nahe bringt, hat mich tief ergriffen und hat meinen weiteren spirituellen Weg grundlegend beeinflusst. Ich lese im Moment schon das dritte Buch von ihm.

Also, was ist passiert?

Zuersteinmal habe ich das erste Mal das Gefühl bekommen, dass ich Jesus wirklich nahe komme. Schon mein ganzes Leben war für mich nur Gott von Bedeutung. An Jesus dachte ich kaum. Und als ich dann später auf Jesus aufmerksam wurde, ist er nicht so frei zur Verfügung gestanden, wie Gott es in der Regel war. Ich kann mich noch gut erinnern, wie mir vor vielen Jahren ein Pfarrer sagte, der einzige Weg zu Gott führt über das Kreuz. Ich war fast schon empört über diese Enge des Glaubens und der Ausschließlichkeit dieser Aussage. Heute sehe ich das für mich anders.

Ich denke, das Entscheidende war, dass ich nun daran glauben wollte, was in der Bibel geschrieben steht. Wahrscheinlich hat Jesus genau darauf gewartet. Klar, wenn ich nicht an ihn und seine Worte und Taten glaube, öffnet er sich auch nicht mir gegenüber. Das steht auch, glaube ich, irgendwo so ähnlich in der Bibel. Mit diesem Entschluss änderte sich vieles für mich. Endlich hatte ich Orientierung und meine Zweifel waren - aufs Erste - verschwunden. Ich fühlte mich nun als bekennender Christ und das fühlte sich gut an.

Jesus sagt ja auch seine bedeutsamen Sätze,. dass er wolle, dass seine Jünger seine frohe Botschaft hinaustragen sollen zu allen Menschen und in alle Länder. Daraus ergab sich auch das Missionieren, bei dem sich die Kirche vielfältig schuldig gemacht hat und vielen Menschen sehr geschadet hat, wie auch mit etlichen anderen Dogmen, die menschenfeindlich sind, vielen Menschen den christlichen Glauben regelrecht ausgetrieben haben, bishin dass sie schwer traumatisiert wurden. Vieles davon trägt Jesus auch nicht mit. Da bin ich mir sicher. Aber man darf da auch nicht alle Konfessionen pauschal aburteilen. 

Das Wort Missionieren sollte man auch vermeiden, da es so negativ aufgeladen ist. Aber auch hier möchte ich mich an die Worte Jesu halten. Selbstverständlich möchte ich jede Form des Zwangs vermeiden und will vor allem nicht stabilen Menschen gegenüber sehr sensibel damit umgehen. Aber ich möchte christliche Spiritualität an den richtigen Stellen zum Thema machen. Ich weiß auch, welchen Anspruch an mich selbst das zur Folge hat. Ich will mich in Demut üben, ein vorbildliches Leben führen und danach streben Jesus ähnlicher zu werden. Patricia sagte, dass das nicht mit Mühe und Anstrengung verbunden sein muss, da Jesus einem den richtigen Weg zur Nachfolge bereits geschenkt hat. Aber sie sagte auch, dass da Jesus für jeden seinen eigenen Weg vorgesehen hat. Der oder dir eine geht ihn mit purer Freude, der oder die andere mit Mühe und Belastung. Aber Jesus sagt auch, dass sein Weg keine schwere Last sei. Letztendlich kommt es auch nicht in erster Linie darauf an, welchen Profit ich davon habe, sondern inwieweit ich Gottes Liebe wahrnehmen, ihm zurückgeben und an andere Menschen weitergeben kann. Und das nicht nur gegenüber den Menschen, sondern auch den Tieren und der ganzen Schöpfung. Leider bin ich kein Vegetarier und auch kein Vorbild an ökologischem Verhalten. Ich bin sehr im Zweifel, ob ich das noch ändern kann. 

Nochmals in einem Satz zusammengefasst: Ich glaube nun, was in der Bibel steht und möchte mein Leben in der Nachfolge Jesu gestalten.

Dass das nicht ganz ohne Zweifel geht, ist mir auch klar. 

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